Aktuelles

Aktuelle Berichte aus den Projektgruppen, von Mitgliederversammlungen usw. und aus der Presse.

Gegen das Weggucken - Möhringen Aktuell Ausgabe 1/2012

Damit Jugendliche gut durch die Nacht kommen

Die Initiative der Nachtwanderer kommt ursprünglich aus Schweden. Dort sind mittlerweile über 200 000 Menschen in über 300 Orten als Nachtwanderer unterwegs, um Jugendlichen zur Seite zu stehen. Jetzt gibt es sie auch zum ersten Mal in Stuttgart – und zwar in Möhringen. (Von Roland Steinhauer)

Rita Dormann hat dieses Projekt vor zwei Jahren auf dem Kirchentag in Bremen kennengelernt, und seitdem hat diese Idee sie nicht mehr losgelassen. »Ich wäre früher selber viel ruhiger gewesen, wenn es da schon Nachtwanderer gegeben hätte, als meine Kinder noch jünger waren«, sagt die Projektleiterin Dormann über ihre Motivation, das Projekt Nachtwanderer ge- meinsam mit der »Initiative Lebensraum« in Möhringen auf den Weg gebracht zu haben. Die Projektziele sind dabei klar umrissen: es geht um Jugendliche, die nachts auf der Straße unterwegs sind. Ihnen möchte Rita Dormann mit den hoffentlich bald vielen Helfern das Gefühl geben, wahr- und ernst genommen zu werden. Die Nachtwanderer möchten den Jugendlichen zur Seite stehen, wenn sie es denn wollen.

Dieses nächtliche Engagement soll den Stadtbezirk Möhringen zusätzlich noch ein Stück sicherer machen und gegen die Wegguck-Mentalität stehen. Die Nachtwanderer verstehen sich dabei keineswegs als Hilfspolizei, sondern möchten vielmehr ein Zeichen von Zivilcourage setzen. Sie möchten sich als Erwachsene verstanden wissen, die sich kümmern. Dazu braucht es aber engagierte Menschen, und die werden jetzt gesucht. »Die Nachtwanderer gehen immer in einer Gruppe von mindestens drei, besser fünf Personen auf die Wanderung«, so Rita Dormann. Und das soll ab März immer freitags und samstags in der Zeit von zirka 21 bis 2 Uhr stattfinden. Mitmachen können Menschen ab 25 Jahren, die Verständnis für Jugendliche aufbringen und bereit sind, mindestens einmal im Monat unterwegs zu sein. Je mehr Menschen nachtwandern, desto regelmässiger könnten die Einsätze geplant werden, erklären die Initiatoren. Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann jedenfalls unterstützt das Vorhaben, gerade auch weil es aus der Bürgerschaft kommt.

„Ich habe noch nie ein böses Wort gehört“ - Filderzeitung vom 18.1.2012

nachtwanderer-filder

Der Nachtwanderer Johann Stefan hat über seine Erfahrungen mit der Jugend gesprochen. Von Alexandra Kratz

Auch wenn die Gelenke manchmal knacken und der Rücken schmerzt, ist Johann Stefan immer wieder spätabends auf den Straßen unterwegs. Der rüstige Rentner aus Ostfildern ist seit einiger Zeit Nachtwanderer in Filderstadt. Als solcher will er mit Jugendlichen ins Gespräch kommen und sie gut durch die Nacht bringen. Am Montag war Stefan zu Gast im Bürgerhaus, um von seinen Erfahrungen zu berichten. Veranstalter war die Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm).

Der Verein will das Projekt auch in dem Stuttgarter Stadtbezirk starten. Die Idee dazu hatte das Ilm-Mitglied Rita Dormann. Derzeit ist die Initiative auf der Suche nach Ehrenamtlichen (wir berichteten). „Dieses Projekt trägt sicher dazu bei, die Sicherheit und das soziale Klima in unserem Stadtbezirk zu verbessern“, machte Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann gleich zu Beginn der Veranstaltung Werbung.

An interessierten Bürgern mangelte es bei dem ersten Treffen nicht. Doch der ein oder andere war sich freilich noch unsicher und fürchtete insbesondere, die Jugendlichen würden ihn vielleicht angreifen. Diese Ängste konnte Stefan den meisten nehmen. „Ich habe noch nie ein böses Wort von den Mädchen und Jungen gehört. Die meisten freuen sich, dass wir da sind, dass es Erwachsene gibt, die sich ernsthaft für sie interessieren“, sagte Johann Stefan. Und wenn sich die Jugendlichen doch mal abwenden, dann würden die Nachtwanderer nicht hinterher gehen. „Das ist nicht unser Ding“, sagte Stefan.

Die Nachtwanderer seien keine Polizei und keine Bürgerwehr, sondern einfach „nur“ Ehrenamtliche, die hinschauen. „Den erhobenen Zeigefinger gibt es bei uns nicht. Wir wollen nicht ermahnen, sondern helfen“, brachte Stefan sein Anliegen und das seiner Mitstreiter auf den Punkt.

Für ein gutes Miteinander - Filderzeitung vom 12.1.2012

Im März wollen die Nachtwanderer erstmals im gesamten Stadtbezirk unterwegs sein. Von Stefanie Käfferlein

Vielerorts gibt es sie bereits. Auch in den beiden Großen Kreisstädten Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt sind seit dem vergangenen Jahr Nachtwanderer unterwegs. Und das mit Erfolg. Nun will auch Möhringen als erster Stadtbezirk der Landeshauptstadt den Versuch wagen und an den Wochenenden ehrenamtliche Bürger in Gruppen abends zu Fuß sowie per Bus und Bahn auf den Weg durch den Stadtbezirk schicken.

„Wir wollen Freitag- und Samstagabend, beziehungsweise Freitag- oder Samstagabend laufen“ sagt Rita Dormann. „Das kommt darauf an, wie viele Leute wir zusammenbekommen.“ Gemeinsam mit der Initiative Lebensraum Möhringen – Fasanenhof – Sonnenberg (ILM) hat Dormann das Projekt in Möhringen ins Leben gerufen.

nachtwanderer-ilm

„Es ist toll, wenn solche Ideen von den Bürgern kommen.“ Jürgen Lohmann, Bezirksvorsteher

Die Nachtwanderer wollen ab 21 Uhr an den Wochenenden unterwegs sein. Erste Ehrenamtliche haben Rita Dormann ( li.) und Inge Diehl (2. v. re.) von der ILM bereits gefunden. Hella Wöhrle (re.) ist eine von ihnen. Jürgen Lohmann freut sich über das Engagement. Foto: Käfferlein


„Wir freuen uns, dass Frau Dormann sich auch als Projektleiterin zur Verfügung gestellt hat“, sagt auch Inge Diehl, die Vorsitzende der ILM. Dormann, die selbst Mutter von mittlerweile erwachsenen Kindern ist und sich in der Jugendarbeit der evangelischen Kirche engagiert, hat das Projekt auf dem Kirchentag 2009 in Bremen kennengelernt. „Ich war total begeistert und wollte das auch hier machen“, erzählt die 61-Jährige.

In den vergangenen Monaten ist Dormann in Bernhausen einmal mitgewandert, hat unter anderem Gespräche mit dem Präventionsbeauftragten der Polizei, dem Jugendhaus, dem Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann geführt und das Konzept vorgestellt. „Sie alle waren angetan und auch wir sind der Meinung, dass das positive Auswirkungen auf den gesamten Stadtbezirk haben wird“, sagt Diehl. Das unterstreicht auch Lohmann. „Es ist toll, wenn eine solche Idee direkt aus der Bürgerschaft kommt“, sagt der Bezirksvorsteher. Unterstützt wird das Projekt nicht nur vom Bezirksamt und dem Bezirksbeirat, sondern auch von den Stuttgarter Straßenbahnen und dem Deutschen Roten Kreuz.

Eine Leihoma ganz für uns alleine - 'Knickbein' Nr. 10/8. Jg., Herbst 2011

Eine Mutter berichte über ihre Erfahrungen mit dem Leihgroßelternprojekt der ILM

Ich bin Mutter von drei Kindern, wohne in Möhringen und widme mich derzeit hauptberuflich meinem kleinen "Familienunternehmen". Da ich neben dem Hausfrauendasein gern noch ehrenamtlich tätig sein wollte, habe ich mich Anfang 2011 bei der ILM gemeldet, als ich las, dass Frau Keyerleber, Diakonin in Möhringen und Hauptverantwortliche für das Leihgroßelternprojekt Unterstützung brauchte. 

Nach einem Treffen mit Frau Keyerleber und einem Besuch bei einem der regelmäßig stattfindenden Treffen von ihr und den Leihgroßeltern, bei dem die Begeisterung der Leihgroßeltern übersprang, wollte ich erstens unterstützend tätig sein und zweitens selbst auch eine Leihgroßmutter für uns haben. Zum Glück schlossen sich diese zwei Wünsche nicht gegenseitig aus und so kamen wir schon bald zu unserer Leihoma. Eigentlich war sie für unseren Jüngsten (damals 1 1/2 Jahre alt) gedacht, aber nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis, waren die Mädels (7 und 4) nach ersten Annäherungsversuchen schon bald begeistert, dass da eine nette ältere Dame kommt und Zeit hat für Spiele, Unterhaltung, gemeinsame Gartenarbeit und und und. Meistens ist unsere Leihoma, die wir alle duzen dürfen, einmal die Woche morgens mit dem kleinen Baggerfan unterwegs und besucht Baustellen und Spielplätze mit ihm. Wenn Jasper sie sieht, ruft er schon vor lauter Vorfreude "Badda" (soll Bagger heißen) und spaziert los, ohne sich noch einmal nach mir umzudrehen. In den zwei bis drei Stunden kann ich mich mal ungestört meinen anfallenden Arbeiten und Projekten widmen, ganz ohne schlechtes Gewissen, mein Kind schon wieder einer anderen Mama aufs Auge gedrückt zu haben, so toll die gegenseitige Unterstützung in unserem sozialen Netzwerk auch funktioniert. Wenn Jasper dann später schlafend im Kinderwagen zurückkommt, plauschen die Leihoma und ich meist noch ein wenig, bevor wir wieder eine Woche lang unsere Wege gehen. In Notfällen springt sie sich mal zwischendurch oder an einem anderen Wochentag ein, aber über gebühr wollen wir sie nicht strapazieren, denn sie hat genug andere Termine. 

"Mama, kann man Omas und Opas auch leihen?" 'Knickbein' Nr. 10/8. Jg., Herbst 2011

Das ist die Frage eines Kindes, dessen Großeltern nicht um die Ecke wohnen und das selten oder überhaupt nicht die Möglichkeit hat, Großeltern kennen zu lernen. Das war der Aufhänger, im Stadtbezirk Möhringen "besondere" Beziehungen zwischen Jung und Alt zu ermöglichen unter dem Thema "Leihgroßeltern".

Das ist einer von vielen Projekten, in dem die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenho-Sonnenberg e.V. (ILM) tätig sind. Sie werden fragen, wer und was ist und will die ILM. Ausgehend von dem Gedanken, dass die politischen Einheiten in Europa größer und die Strukturen in Familie, Arbeitswelt und Gesellschaft vielfältiger werden, entwickelte sich Ende der 90er Jahre im Rahmen der Evangelischen Kirchgemeinde einen Initiative, der es wichtig was, dass sich Menschen verschiedener Herkunft und Erfahrung an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens vor Ort im Stadtbezirk Möhringen beteiligen können. Aus dieser Bewegung heraus konnte 2002 offiziell der Verein "Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenho-Sonnenberg e.V." (ILM) gegründet werden. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Ziele, z.B. in den Projekten:

* Besucherbus Bethanien: Hier werden im Linienbetrieb an drei Tagen in der Woche vor allen ältere Besucher vom Bahnhof Möhringen zum Pflegezentrum Bethanien gefahren.
* Besucherdienst: Regelmäßig werden allein lebende ältere Menschen besucht; es wird zusammen gespielt, vorgelesen und auf Spaziergängen begleitet.
* Hausaufgabenbetreuung: Grundschüler an der Riedseeschule, die bei Ihren Hausaufgaben zu Hause keine Hilfe bekommen können, erhalten Unterstützung bei den Schularbeiten, beim Erlernen der deutschen Sprache und beim Umgang miteinander.
* Heimatmuseum Möhringen: Die Museumsgruppe will durch Sonderausstellungen, Führungen und andere Aktionen das Interesse an der Ortsgeschichte wecken und erhalten; auch in Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen.


 Möchten Sie Ideen einbringen oder selbst mitwirken? Schicken Sie uns eine kurze Mail, wir freuen uns auf Sie! 
© 2011 Initiative Lebensraum Möhringen Fasanenhof Sonnenberg e.V. (ILM)